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Konjunktiv 1
Inhalt
Verwendung
Formen
Vergangenheit
K I und K II
so tun als ob
Aufforderungen
Vorbemerkung
Anstelle von K I und K II werden auch die Bezeichnungen Konjunktiv Präsens und Konjunktiv Präteritum verwendet. Für den Deutschunterricht sind aber die neutralen Etikette Konjunktiv I und II geeigneter, weil sie weniger Anlass zu Fehlinterpretationen geben, etwa, dass der Konjunktiv „Präteritum“ einfach das Vergangenheitstempus des Konjunktivs „Präsens“ darstelle. Tatsächlich sind K I und K II eher eigenständige Teilkategorien mit halbwegs geregelter Arbeitsteilung - der eine leistet vorwiegend dies, der andere vorwiegend jenes -, auch wenn es eine gemeinsame Grundbedeutung und Überschneidungen im Gebrauch gibt. Aus diesem Grund werden sie hier in zwei Artikeln behandelt.

Verwendung

Die Formen der Verbkategorie Konjunktiv I werden hauptsächlich für die indirekte Rede, also für die Wiedergabe von Äußerungen anderer Sprecher, verwendet. A sagt:
Ich habe das Prüfungsergebnis bekommen.
B gibt die Aussage von A im K I wieder:
A sagte, er habe das Prüfungsergebnis bekommen.
Sprecher B macht zunächst schon durch Verwendung der Einleitung A sagte deutlich, dass er die Worte eines anderen wiedergibt. Er verwendet aber noch ein weiteres Mittel, um dies anzuzeigen, nämlich eben das Verb haben im Konjunktiv I statt im Indikativ, also er habe statt er hat. In einem Satz wie diesem ist diese Markierung der indirekten Rede durch Konjunktiv I zwar nicht unbedingt erforderlich, weil ja durch die Einleitung schon geklärt ist, dass B nicht selbst eine Behauptung aufstellt. Aber B könnte nun fortfahren mit einem Satz wie:
Er sei nicht sehr zufrieden.
In diesem Satz macht nun alleine das Verb deutlich, dass A selbst seine Unzufriedenheit geäußert hat. Wenn B im Indikativ formuliert hätte, hätte es sich auch um eine eigene Einschätzung handeln können:
Er ist nicht sehr zufrieden (glaube ich).
Diesem Beispiel lässt sich also entnehmen, dass unter bestimmten Umständen die Wahl des Modus Unklarheit hinsichtlich der Urheberschaft einer Behauptung beseitigen kann. Allerdings gibt es immer auch andere Mittel zu diesem Zweck, und wir wollen gleich betonen, dass im gesprochenen Deutsch diese anderen Mittel sehr viel wichtiger sind und der Konjunktiv I dagegen fast keine Rolle spielt. Das bedeutet z.B., dass in einer beliebigen Alltagssituation die Wiedergabe der Aussage von A sicher nicht mit Konjunktiv I, sondern so formuliert würde:
A hat gesagt, dass er das Prüfungsergebnis bekommen hat.
Um deutlich zu machen, dass auch die Reaktion auf das Ergebnis von A selbst formuliert wurde, könnte B einfach sagen:
Er ist nicht sehr zufrieden, sagt er.
Der Konjunktiv I hat also durchaus eine wichtige Funktion, nur muss man als Lerner wissen, dass er in dieser Funktion fast ausschließlich in formellem, geschriebenem Deutsch gebraucht wird. Die Alltagssprache bedient sich anderer Mittel - standardmäßig eben der Einbettung in Sätze mit Verben des Sagens und abhängigem Satz im Indikativ:
A hat gesagt, dass er wütend auf dich ist.
A behauptet, er hat das Geld nicht genommen.
A hat allen erzählt, dass du ihn betrogen hast.
Im geschriebenen Deutsch dagegen gilt der K I als obligatorisch für die Kennzeichnung der indirekten Rede. In bestimmten Textsorten wird auch ausgiebig Gebrauch von ihm gemacht, etwa im Zeitungsbericht, wo sich manchmal längere Passagen mit Verben nur im K I finden (was man auch als berichtete Rede bezeichnet):
Der Minister sagte, er sei enttäuscht von den Verhandlungsresultaten. Er habe sich größere Zugeständnisse erhofft. Nun könne man nur versuchen, das Beste daraus zu machen.
In solchen Texten darf natürlich nie Zweifel aufkommen, ob eine Aussage von der Person stammt, über die berichtet wird, oder vom berichtenden Journalisten. Gleichzeitig signalisiert der K I größere Förmlichkeit der Rede, wie sie für den öffentlichen Sprachgebrauch in Medien charakteristisch ist. Neben dieser Hauptfunktion hat der K I einige Verwendungsweisen in Hauptsätzen, die aber eher am Rand des modernen Sprachgebrauchs angesiedelt und für Lerner vor der Oberstufe nicht sonderlich interessant sind. Man kann mit ihm etwa Wünsche oder Aufforderungen formulieren, allgemein etwas, was geschehen soll:
Es lebe der König!
Niemand sage, er habe das nicht gewusst.
Man gebe etwas Sahne dazu und vermenge alles gründlich.
Unten kommen wir aber noch auf einen Fall zu sprechen, in dem der K I in einer häufiger verwendeten Konstruktion mit dem K II konkurriert (als ob). Zuerst wird aber der Formenbestand des K I behandelt.

Formen

Der Konjunktiv I wird in sehr regelmäßiger Weise durch Anhängen der Endungen an den Stamm (Infinitiv minus -(e)n) gebildet:

Infkommenwartenfahrenlesenkönnenhabensein
ich komm-ewart-efahr-eles-ekönn-ehab-esei
du komm-estwart-estfahr-estles-estkönn-esthab-estsei-(e)st
erkomm-ewart-efahr-eles-ekönn-ehab-esei
wir komm-enwart-enfahr-enles-enkönn-enhab-ensei-en
ihr komm-etwart-etfahr-etles-etkönn-ethab-etsei-et
sie komm-en wart-enfahr-enles-enkönn-enhab-ensei-en

Wie man sieht, haben, mit einer einzigen Ausnahme, alle Verben die gleichen Endungen. Weitere Unregelmäßigkeiten treten nicht auf, z.B. kein e/i-Wechsel oder Umlaut bei starken Verben (lesen und fahren), keine Änderungen im Stamm bei Hilfsverben, auch bei den Modalverben ändern sich nur die Endungen, nicht aber der Stammvokals. Schließlich folgt auch sein diesem Muster, nur dass es, als einziges Verb, kein -e in der 1. und 3. Pers. Sg. hat. Der Tabelle lässt sich auch entnehmen, dass nicht alle Personen des K I von denen des Indikativs unterscheidbar sind. Tatsächlich gibt es sogar Verben, bei denen nur die 3. Pers. Sg. als K I erkennbar bleibt, nämlich solche mit eingeschobenem -e- in der Endung - in der Tabelle als Beispiel das Verb warten. Dass gerade die 3. Pers. immer unterscheidbar bleibt, ist natürlich kein Zufall. Der Konjunktiv I wird ja in den meisten Fällen gebraucht, um Äußerungen Dritter über sich selbst oder andere wiederzugeben.

Vergangenheit

Wie gibt man mit dem Konjunktiv I Sätze in einem Vergangenheitstempus wieder? Solange es um das Perfekt geht, kommen die meisten Lerner sozusagen intuitiv auf die richtige Idee - man setzt einfach das Hilfsverb in den K I:
A: Ich bin neulich Eva begegnet.
B: A sagt, er sei neulich Eva begegnet.
Es braucht also nur das Hilfsverb sein oder haben angepasst zu werden. Nichts Neues zu lernen also, trotzdem noch einmal die Übersicht für alle Personen:

Perf. mit seinPerf. mit haben
ichsei gegangenhabe gemacht
du sei(e)st gegangenhabest gemacht
ersei gegangenhabe gemacht
wirseien gegangenhaben gemacht
ihrseiet gegangenhabet gemacht
sieseien gegangenhaben gemacht

Wie gibt man nun aber einen Satz wieder, dessen Verb im Präteritum steht? Hier verfällt selten ein Deutschlerner spontan auf die richtige Lösung - vielleicht, weil sie zu einfach ist. Die Lösung ist nämlich, dass auch dieser Satz durch das „Perfekt“ des K I wiederzugeben ist - weil der K I nur über diese eine Vergangenheitsform verfügt:
A: Neulich war ich mal wieder bei Eva.
B: A sagte, neulich sei er mal wieder bei Eva gewesen.
Viele Lerner möchten hier auf den K II zurückgreifen, um irgendwie das Präteritum des Ausgangssatzes in den Konjunktiv hinüberzutransportieren. Das Resultat sind dann entweder falsche Sätze wie:
*A sagte, neulich wäre er bei Eva.
Oder die Lerner haben schon ein besser entwickeltes Sprachgefühl und versuchen es mit dem
„Plusquamperfekt“, also mit der Vergangenheit des K II:
A sagte, neulich wäre er bei Eva gewesen.
Diese Verwendung des K II ist tatsächlich möglich und wir kommen gleich unten auf sie zu sprechen. Was sich Deutschlerner aber klarmachen müssen, ist, dass sich durch Verwendung des K II an der Bedeutung nichts ändert, dass so also nicht etwa eine andere Zeitstufe bezeichnet wird als mit dem K I. Grundsätzlich ist das „Perfekt“ des Konjunktivs I auch für Indikativ Präteritum „zuständig“, und in geschriebenem Deutsch wird es auch fast immer verwendet, wenn nicht bestimmte besondere Bedingungen vorliegen (s.u.). Betrachten wir noch ein Beispiel mit Verben im Ind. Perf. und Prät. und die Übertragung in die indirekte Rede nur mit K I:
A: Eva hatte letzte Woche Geburtstag. Sie hat eine Party gegeben, zu der ziemlich viele Leute kamen. Ich war auch da, bin aber nicht sehr lange geblieben. Es ist sehr nett gewesen, ich musste aber am nächsten Tag früh aufstehen und bin deshalb gegen Mitternacht gegangen.
B: A hat erzählt, Eva habe letzte Woche Geburtstag gehabt. Sie habe eine Party gegeben, zu der ziemlich viele Leute gekommen seien. Er sei auch da gewesen, sei aber nicht sehr lange geblieben. Es sei sehr nett gewesen, er habe aber am nächsten Tag früh aufstehen müssen und sei deshalb gegen Mitternacht gegangen.
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Konjunktiv I statt Konjunktiv II

Wir haben gesehen, dass der K I keineswegs immer eindeutig bezeichnet ist. Bei Verben wie warten unterscheidet sich nur die 3. Pers. Sg. vom Indikativ, bei den meisten anderen fallen immerhin drei Formen von K I und Indikativ zusammen, nämlich die für die 1. Pers. Sg. und für die 1. und 3. Pers. Pl. In all diesen Fällen verwendet man gerne Konjunktiv II anstelle von Konjunktiv I. Ein Beispiel:
Meine Freunde sagten, sie haben keine Zeit, weil sie einen Krankenbesuch machen müssen.
Für die Verben in den Nebensätzen ist unentscheidbar, ob sie im Indikativ oder im K I stehen. Wenn man nun einen eindeutigen Nicht-Indikativ zur Kennzeichnung der indirekten Rede verwenden will, bleibt also nur der Rückgriff auf den Konjunktiv II:
Meine Freunde sagten, sie hätten keine Zeit, weil sie einen Krankenbesuch machen müssten.
Bei anderen Verben als den Hilfs- und Modalverben verwendet man auch oft den würde-Konjunktiv:
Sie haben gesagt, sie würden zur Party kommen.
Nun gebraucht man in der gesprochenen Sprache diesen K II für indirekte Rede auch dann sehr oft, wenn die Formen des K I sehr wohl identifizierbar sind:
Sie sagte, sie hätte keine Zeit.
Hier könnte man ja den Konjunktiv I habe verwenden, der als solcher klar zu idenifizieren ist. Deshalb wird der Gebrauch des K II in solchen Fällen manchmal kritisiert. Aber der K I klingt eben so formell, dass man ihn in gesprochenem Deutsch äußerst ungerne verwendet, wie wir ja schon gesagt haben. Der K II ist deshalb keine schlechte Lösung, wenn man einerseits zwar die indirekte Rede am Verb markieren will - also nicht einfach den Indikativ beibehalten -, andererseits aber nicht auf den K I zurückgreifen möchte. Nur für geschriebenes Deutsch sollte man sich am besten an die Regel halten: K II statt K I für indirekte Rede nur dann, wenn sich der K I nicht vom Indikativ unterscheidet.
Das klingt vielleicht alles ein wenig kompliziert. Man sollte aber auch betonen, dass diese Feinheiten nicht zum Allerwichtigsten gehören, was man in Grund- und Mittelstufe zu lernen hat.
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so tun, als ob

Es gibt noch andere Fälle, in denen K I und K II die gleichen Funktionen übernehmen können, darunter als besonders wichtigen die hypothetischen Vergleichssätze mit als/als ob/als wenn:
Er tut so, als kenne er mich nicht.
Er tut so, als würde er mich nicht kennen.
Der K I klingt natürlich wieder viel „feiner“, aber ein Bedeutungsunterschied gegenüber dem würde-Konjunktiv ergibt sich nicht. (Hier wäre natürlich auch einfacher K II möglich, daneben kann man aber diese Sätze mehr umgangssprachlich auch mit Verben im Indikativ bilden: Er tut so, als kennt er mich nicht.) Einige weitere Beispiele finden Sie im Artikel Konjunktiv II.

Wiedergabe von Aufforderungen

Abschließend noch ein Hinweis auf die Wiedergabe von Aufforderungen in indirekter Rede. Wie lässt sich der folgende Satz umformen?
Eva zu Jörg: Hilf mir bitte.
Diesen Imperativ kann man nicht einfach in den K I setzen (... er helfe ihr bitte). Welche anderen Mittel stehen zur Verfügung? Entweder verwenden wir das Modalverb sollen:
Eva sagte zu Jörg, er solle ihr helfen.
Im gesprochenen Deutsch würde natürlich wieder der Indikativ bevorzugt:
Eva hat zu Jörg gesagt, dass er ihr helfen soll.
Oder wir greifen auf ein anderes Verb zurück, das eine etwas elegantere Formulierung mit einem Infinitiv erlaubt und dadurch den K I überflüssig macht:
Eva bat Jörg/hat Jörg aufgefordert, ihr zu helfen.