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Adjektiv
Inhalt
Überblick
Position des A.
Deklination
Prädikative A.
A. und Adverbien
Verwendungsweisen
Vergleiche
Ergänzungen (Liste)
mir ist schlecht
etwas Gutes
Vorbemerkung: Wenn Sie sich ausschließlich für die Deklination oder die Komparation der Adjektive interessieren, gehen Sie zu „Adjektivdeklination“ bzw. „Komparation“.

Überblick

Adjektive sind Wörter wie groß, schön, alt, mütterlich, unvorhersehbar, schade. Sie bezeichnen gewöhnlich Eigenschaften und heißen deshalb auf Deutsch auch Eigenschaftswörter. Adjektive können als Attribute bei einem Nomen stehen (attributiver Gebrauch):
das große Haus - eine schöne Landschaft - mein alter Freund - ein mütterlicher Rat - dieses unvorhersehbare Ereignis
Oder sie werden als selbstständige Satzglieder gebraucht, wobei man wieder zwischen prädikativer und adverbialer Verwendung unterscheidet. In Sätzen mit sein und bestimmten anderen Verben bezieht sich das Adjektiv auf ein Substantiv oder Pronomen (prädikativer Gebrauch):
Diese Landschaft ist sehr schön.
Die Finanzkrise war vorhersehbar.
Du hast die Prüfung nicht bestanden? Schade! (= Das ist schade!)
Sein Vater wird dieses Jahr 70 Jahre alt.
Du wirkst müde.
Deinen Vorschlag finde ich nicht sehr gut.
In Sätzen mit anderen Verben charakterisiert das Adjektiv dagegen das Geschehen, das durch das Verb ausgedrückt wird (adverbialer Gebrauch):
Warum sprichst du so laut?
Du kochst wirklich gut!
Jörg spielt hervorragend Schach.
Am wichtigsten ist die Unterscheidung zwischen attributiv verwendeten Adjektiven auf der einen Seite und prädikativ oder adverbial gebrauchten auf der anderen. Nur in attributiver Verwendung werden Adjektive flektiert, bekommen also Endungen, die Genus, Numerus und Kasus anzeigen. In den beiden anderen Verwendungen behalten sie dagegen ihre Grundform. Vergleichen Sie noch einmal:
Ich hörte ein lautes Geräusch. (attributiv, immer flektiert)
Warum ist die Musik so laut? (prädikativ, unflektiert)
Jörg spricht immer so laut. (adverbial, unflektiert)
Viele Adjektive können besondere Vergleichsformen bilden, nämlich Komparativ und Superlativ:
Eva ist schön. = Positiv (Normalform)
Eva ist schöner als ihre Schwester. = Komparativ
Eva ist die schönste Frau im Büro. = Superlativ im attributiven Gebrauch
Eva ist am schönsten. = Superlativ im prädikativen (und adverbialen) Gebrauch
Von Adjektiven können, ähnlich wie von Verben, weitere Satzglieder abhängig sein:
Eva ist zwanzig Jahre alt.
Bist du mir böse?
Ich glaube, Eva ist eifersüchtig auf dich.
Lisa ist finanziell von ihren Eltern abhängig.
Jörg ist nicht besonders daran interessiert, Karriere zu machen.

Einzelheiten

Worauf muss man bei der Verwendung von Adjektiven achten, um Fehler zu vermeiden? Was ist anders als in anderen Sprachen? Worauf sollte man sich zu Anfang konzentrieren?

Position des Adjektivs

In manchen Sprachen können attributive Adjektive vor oder nach dem Nomen stehen (Italienisch "ein alter Freund": un vecchio amico - un amico vecchio). Im Deutschen gibt es nur die erste Möglichkeit, Adjektive gehen also immer dem Nomen voraus. Die wenigen Ausnahmen wie Whisky pur oder Röslein rot sind für Lerner unwichtig.

Attributive Adjektive werden dekliniert! - Die Adjektivdeklination

Wenn Adjektive prädikativ oder adverbial verwendet werden, bekommen sie keine Endung - man gebraucht sie in der Form, in der sie im Wörterbuch stehen (Kurzform). Bei attributivem Gebrauch stehen sie aber (fast) nie in dieser Grundform, sondern müssen flektiert, also mit Endungen versehen werden:
das große Haus - die großen Hunde - ein wunderschönes Kleid - mein guter, alter Freund - mit großem Vergnügen
Diese Adjektivdeklination hat manche Ähnlichkeiten mit der Deklination von Artikeln und Pronomen, aber auch einige Besonderheiten. Leider gibt es hier ziemlich viel Lernstoff; für Deutschlerner ist die Adjektivdeklination also eine kleine Herausforderung.
Andererseits fallen die anfangs unvermeidlichen Fehler bei den Adjektiven bei Weitem nicht so ins Gewicht - sie klingen nicht so schlecht - wie z.B. Fehler bei der Verbkonjugation. - Vergleichen Sie für die Einzelheiten das Stichwort Adjektivdeklination.

Prädikative Adjektive werden nicht dekliniert!

Nachdem Lerner die Adjektivdeklination kennengelernt haben, machen sie oft Fehler, die ihnen zuvor nicht unterlaufen sind, z.B.:
Die neue Lehrerin ist *hübsche.
Die Lernenden meinen nun also, dass Adjektive immer, in jeder Verwendungsweise, eine Endung bekommen. Aber nein! Prädikativ oder adverbial verwendete Adjektive bleiben (Gott sei Dank!) unverändert:
Die neue Lehrerin ist hübsch.
Ist dieses Wörterbuch neu?
Dein Angebot finde ich sehr nett, aber ich kann es leider nicht annehmen.

Adjektive und Adverbien

In manchen Sprachen wird die adverbiale Verwendung von Adjektiven durch besondere Formen gekennzeichnet (Engl.: cordially). Im Deutschen gibt es solche Formen nicht. Man braucht also für ein adverbial verwendetes Adjektiv erstens keine Deklinationsendung - das ist logisch, weil es sich ja auf ein Verb bezieht und nicht auf ein Nomen.
Zweitens aber bekommt es auch keine spezielle Endung, durch die man erkennen könnte, dass es adverbial verwendet wird. (Ein weiterer Pluspunkt für das Deutsche im Sprachschwierigkeitsvergleich? Für deutsche Englischlerner ist jedenfalls gar nicht immer klar, ob ein Adjektiv adverbial verwendet wird oder nicht, und wenn, ob das -ly angehängt werden muss oder nicht.)

Eingeschränkte Verwendung mancher Adjektive

Wir haben gesehen, dass Adjektive attributiv, prädikativ oder adverbial verwendet werden können. Sehr viele Adjektive kommen tatsächlich in allen Funktionen vor, bei anderen sind aber bestimmte Verwendungsweisen ausgeschlossen.
Die gestrige Ausgabe unserer Tageszeitung war sehr dick.
Die Zeitung, die du gerade liest, ist *gestrig.
Umgekehrt kann ein Adjektiv wie schade nur prädikativ verwendet werden, es gibt also kein Attribut schade:
*ein schades Ereignis
Nach meiner Erfahrung kommt es in der Praxis nicht oft zu Verstößen gegen solche Gebrauchsbedingungen. Wenn Sie Zweifel haben, in welchen Funktionen ein bestimmtes Adjektiv zu verwenden ist, kann ein gutes Wörterbuch weiterhelfen. Dort muss explizit oder durch Beispiele deutlich werden, ob das Wort in seiner Verwendung eingeschränkt ist.
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Vergleiche

Bei Bildung und Verwendung der Vergleichsformen sollte man vor allem auf Folgendes achten:
- häufig Umlaut:
alt - älter - ältest-

klug - klüger - klügst-
- unregelmäßige Formen (nur diese):
groß - größer - größt- (statt größest-)
nah - näher - nächst-
hoh-/hoch - höher - höchst-
gut - besser - best-
viel - mehr - meist-
wenig - weniger/(minder) - wenigst-/(mindest-)
- kein Komparativ mit mehr:
*Eva ist mehr schön als ihre Schwester.
statt richtig:
Eva ist schöner als ihre Schwester.
Weiter muss man darauf achten, dass Vergleiche mit Adjektiv im Positiv mit so - wie, im Komparativ mit als gebildet werden:
Eva ist so groß wie ich.
Eva ist größer als ich.
Manchmal ist unklar, welche der beiden möglichen Superlativ-Formen zu verwenden ist. Vergleichen Sie:
Eva ist die beste Schülerin.
Eva ist die Beste.
Eva ist am besten.
Eva singt am besten.
Bei attributiver Verwendung des Adjektivs wird also immer die Form mit bestimmtem Artikel verwendet, bei Bezug auf ein Verb immer die Form mit am. Bei prädikativer Verwendung benutzt man ebenfalls meist den am-Superlativ, hier ist aber oft auch die Form mit bestimmtem Artikel möglich. Vergleichen Sie für die Details das Stichwort Komparation.

Adjektive mit Ergänzungen

Adjektive können Ergänzungen zu sich nehmen wie Verben. Lerner, die verstanden haben, wie Verben funktionieren, werden damit keine Probleme haben. Die lernpraktische Konsequenz ist, dass man bei vielen Adjektiven den geforderten Kasus oder Präposition plus Kasus mitlernen muss - wie bei den Verben eben. Hier finden Sie eine Liste besonders gebräuchlicher Adjektive mit Ergänzungen.

mir ist schlecht

Die Konstruktion Dat + sein/werden + Adjektiv wird hier noch separat behandelt, weil sie sehr nützlich ist, aber wegen ihrer ungewöhnlichen Struktur Schwierigkeiten macht. Ungewöhnlich ist das Fehlen des Subjekts in den folgenden Sätzen:
Mir ist langweilig. = Ich langweile mich.
Mir ist schlecht. = Ich leide an Übelkeit, habe Brechreiz ...
Mir ist übel. = Mir ist schlecht.
Mir ist schwindlig. = (I feel dizzy.)
Mir ist kalt. = Ich friere.
Mir ist heiß.
Wenn man diese (und einige andere) Adjektive in einer "regulären" Konstruktion, also mit einem Subjekt im Nominativ, verwendet, haben sie eine andere Bedeutung: Ich bin langweilig = ein langweiliger Mensch, ich bin schlecht = ein schlechter Mensch oder ein schlechter Schüler, also schlecht in Mathematik usw. Der Dativ bezeichnet hier also eine Person als Träger eines Zustands, ähnlich wie in Verbkonstruktionen wie mir geht es gut (wo es aber ein formales Subjekt es gibt).
Machen Sie sich aber nicht zu viele Gedanken wegen der merkwürdigen Subjektlosigkeit in diesen Sätzen. Es handelt sich um Reste eines älteren Sprachgebrauchs und solche Konstruktionen sind die große Ausnahme.

etwas Gutes

Zum Schluss noch der Hinweis auf eine sehr nützliche Konstruktion, die wir auch in einem eigenen Stichwort behandeln, nämlich etwas/nichts plus substantiviertes Adjektiv. Beispiele:
Na, hast du dir was Schönes gekauft in der Stadt?
Gestern haben wir mal etwas richtig Gutes gegessen.
Diese Konstruktion kann oft weiterhelfen, wenn Wörter fehlen. Vergleichen Sie etwas Gutes.
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