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Konjunktiv 2
Inhalt
Formen
Gegenwart/Zukunft
[einfacher K II
wuerde
vergangenheit
Verwendung
Konditionalsatz
K II + gerne
Wunschsätze
Höflichkeit ...
als ob
Besonderheiten
Verb auf P 1
Konditional
K II für K I
Ersatzinfinitiv
Modalverben
Der Konjunktiv II ist vielseitiger verwendbar als der Konjunktiv I und er ist - im Gegensatz zum K I - auch in gesprochener Umgangssprache unentbehrlich. In seiner Hauptfunktion stellt er das Ausgesagte dar als etwas, was nicht in der Wirklichkeit, sondern nur der Möglichkeit nach oder in der Vorstellung besteht. Von dieser Grundbedeutung aus ergeben sich andere Verwendungsweisen, in denen der K II zum Ausdruck von Wünschen, zur höflichen Abmilderung von Aufforderungen, zur vorsichtigen Zurücknahme von Gewissheitsansprüchen usw. dient:
Wenn das Wetter nicht so miserabel wäre, könnten wir noch im See schwimmen.
Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich mehr lesen.
Er tut so, als würde er nicht verstehen.
Ich würde gerne einmal nach Japan fliegen.
Würden Sie bitte das Fenster schließen?
Ich würde sagen, das war eine kluge Entscheidung.
(Hinweis: Im Artikel Konjunktiv I finden Sie einführende Bemerkungen zum Verhältnis K I und K II.)

Formen

Im Konjunktiv II unterscheidet man formal nur zwei Zeitstufen: eine nicht abgeschlossene Gegenwart/Zukunft einerseits und eine abgeschlossene Vergangenheit andererseits. Wir befassen uns zuerst mit den beiden Möglichkeiten, im K II Bezug auf gegenwärtige oder zukünftige Dinge zu nehmen, danach mit der Vergangenheit.

Konjunktiv II für Gegenwart/Zukunft

Der Konjunktiv II für die Gegenwart/Zukunft kann auf zwei Arten gebildet werden. Zunächst verfügt jedes Verb über einen einfachen Konjunktiv II, die sich vom Präteritum ableiten lässt:
ich war ⇒ ich wäre;
ich hatte ⇒ ich hätte;
ich ging ⇒ ich ginge;
ich sah ⇒ ich sähe ...
Daneben lässt sich von jedem Verb auch ein zusammengesetzter Konjunktiv nach der Formel würde + Infinitiv bilden:
ich würde sein, ich würde haben, ich würde gehen, ich würde sehen ...
Die Bedeutung des Konjunktivs bleibt, ob er auf die eine oder die andere Art gebildet wird, immer dieselbe. Mit dem Formunterschied gehen keine inhaltlichen Unterschiede einher:
ich wäre = ich würde sein
ich hätte = ich würde haben
ich ginge = ich würde gehen ...
Allerdings haben die einfache und die würde-Form bevorzugte Anwendungsfälle. Als Grundsatz gilt zunächst, dass in der gesprochenen Sprache die würde-Form sehr viel gebräuchlicher ist, während in gehobenem, formellem oder literarischem Deutsch die einfachen Formen noch öfter Verwendung finden. Aber dieser Grundsatz gilt nicht ohne Einschränkung: Auch in gesprochenem Umgangsdeutsch zieht man bei bestimmten Verben, v.a. bei den Hilfs- und den Modalverben, die einfache Form vor. In gesprochener Sprache sind also zwar gebräuchlich:
ich hätte, ich wäre, ich könnte, ich müsste, ich dürfte, ich sollte, ich wollte, ich wüsste.
Bei den meisten anderen Verben wird aber der würde-Konjunktiv bevorzugt:
ich würde gehen, ich würde sehen, ich würde spielen ...

Der einfache Konjunktiv II

Die einfache Form des Konjunktivs wird gebildet, indem der Stamm des Präteritums um -e erweitert wird, wenn nicht ohnehin schon -e in der Endung steht: bleiben

bleibenPrät.K II
ich blieb blieb-e
du blieb-st blieb-e-st
er, sie, es blieb blieb-e
wir blieb-en blieb-en
ihr blieb-t blieb-e-t
sie/Sie blieb-en blieb-en


Bei Verben mit -a-, -o-, -u- im Stamm kommt Umlaut hinzu.

Konjunktiv II
Infinitiv kommen fahren lügen
Prät. kam fuhr log
K II
ich käme führe löge
du käm-(e)st führ-(e)st lög-(e)st
erkämeführelöge
wirkämenführenlögen
ihrkämetführetlöget
sie/Siekämenführenlögen


Bisher haben wir nur starke Verben betrachtet. Wenn wir uns nun an die Konjugation der schwachen Verben erinnern, sehen wir, dass ein Problem auftauchen muss: Die schwachen Verben haben wegen des eingeschobenen -t- in allen Formen des Präteritums die gleichen Endungen wie der Konjunktiv II. Da sie außerdem grundsätzlich keinen Umlaut erhalten, bedeutet das: Die einfache Konjunktivform der schwachen Verben unterscheidet sich nicht vom Präteritum:

spielen Prät. K II
ich spielte spielte
du spieltest spieltest
er, sie, es spielte spielte
wir spielten spielten
ihr spieltet spieltet
sie/Sie spielten spielten


Welche Konsequenzen hat das? Es ist zwar nicht unmöglich, schwache Verben im einfachen K II zu benutzen:
Wenn du mich wirklich liebtest ...
Aber der Zusammenfall der Formen von Prät. und K II verstärkt noch die Tendenz zur Verwendung des würde-Konjunktivs, in gesprochener wie geschriebener Sprache. Daher meist:
Wenn du mich wirklich lieben würdest ....
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würde + Infinitv

Der würde-Konjunktiv wird gebildet mit den - jetzt im Prinzip bekannten - Konjunktivformen von werden und dem Infinitiv:
Infinitiv: werden ⇒ Präteritum: wurde ⇒ K II: würde
K II mit würde von spielen:
ich würd-e spielen
du würd-est spielen
er würd-e spielen
wir würd-en spielen
ihr würd-et spielen
sie würd-en spielen
Damit kennen wir die möglichen Formen des K II für Gegenwart/Zukunft.

Die Vergangenheit

Die Verwechslung der Zeitstufen beim K II ist ein sehr häufiges Lernerproblem. Das liegt sicher auch daran, dass die beiden Formen des K II, die wir bis jetzt kennengelernt haben, formal einen Bezug zum Indikativ Präteritum haben. Die einfachen Formen bzw. das Hilfsverb würde lassen sich ja vom Präteritum ableiten, sie "klingen" also ähnlich wie Vergangenheitsformen. Betonen wir hier deshalb noch einmal, dass die beiden oben behandelten Formen des K II nie Vergangenheitsbedeutung haben! - Damit nun zu den Vergangenheitsformen, deren Bildung eigentlich unproblematisch ist. Die "Formel" lautet:
wäre/hätte + Partizip II
Beispiele:
Wenn du mehr gelernt hättest, hättest du die Prüfung bestanden.
Wenn du uns geholfen hättest, hätten wir nicht so lange gebraucht.
Ich hätte gerne im Mittelalter gelebt.
An deiner Stelle hätte ich das nicht gemacht.
Man kann natürlich auch einen Konjunktiv für die Vergangenheit und einen Konjunktiv für die Gegenwart kombinieren:
Wenn du uns geholfen hättest, wären wir jetzt schon fertig.
Wenn du gestern nicht so viel getrunken hättest, hättest du heute kein Kopfweh.
Wenn Sie diese Beispiele betrachten, werden Sie auch schnell eine Hauptfehlerquelle bei der Verwendung des Konjunktivs erkennen. Viele Fehler verdanken sich dem Umstand, dass die Verben haben und sein einerseits für die Gegenwart (als normale Verben) und andererseits für die Vergangenheit (als Hilfsverben) verwendet werden:
Wenn sie nicht so faul wäre, hätte sie bessere Noten. - Gegenwart
Wenn sie nicht oft krank gewesen wäre, hätte sie bessere Noten bekommen. - Vergangenheit
Im zweiten Satz dienen wäre und hätte als Hilfsverben zur Bildung der Vergangenheitsstufe des Konjunktivs.
Die Verben sein und haben können als normale Verben im Konjunktiv II für die Gegenwart verwendet werden oder als Hilfsverben im Konjunktiv II für die Vergangenheit. Eigentlich lässt sich der Unterschied leicht erkennen: Nur wenn ein Partizip II im Satz mit haben oder sein vorkommt, sprechen wir über die Vergangenheit.
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Verwendung

Konditionalsatz

Die wichtigste Verwendungsweise des Konjunktivs II ist die in Satzgefügen mit Hauptsatz und wenn-Satz (Konditionalsatz):
Wenn ich besser schwimmen könnte, würde ich im Urlaub auch mal ans Meer fahren.
Wenn du mir gleich von deinen Sorgen erzählt hättest, hätte ich dir vielleicht helfen können.
Ich hätte dir gerne geholfen, wenn du mich darum gebeten hättest.
Hier ist gleich auf eine häufige Fehlerursache bei der Verwendung des K II hinzuweisen. Wenn Lerner den K II und seine vielen Anwendungsmöglichkeiten erlernt haben, neigen sie dazu, ihn auch dann zu benutzen, wenn der Indikativ erforderlich wäre, nämlich in Sätzen wie z.B.:
*Wenn man Blumen nicht gießen würde, würden sie verwelken.
Gemeint ist, dass Blumen immer verwelken, wenn sie nicht gegossen werden. Solche immer gültigen Kausalzusammenhänge formuliert man aber nicht im K II, sondern im Indikativ Präsens. Vergleichen Sie:
Wenn du deine Pflanzen öfter gießen würdest, wären sie schöner.
Der Konjunktiv macht klar, dass in Wirklichkeit die Blumen selten gegossen werden, er impliziert also ... aber du gießt sie nicht oft. Ein solcher Nachsatz wäre im ersten Beispiel falsch oder sinnlos: ... aber man gießt sie. Dort geht es nur darum, einen Zusammenhang zwischen einer Bedingung und einer Folge herzustellen, ohne etwas darüber auszusagen, ob die Bedingung erfüllt ist. Der Konjunktiv sagt aber gerade darüber etwas aus, nämlich dass sie nicht erfüllt ist. Dazu noch ein Beispiel:
Wenn du dir Mühe gibst, wirst du die Prüfung schaffen.
Wenn du dir mehr Mühe geben würdest, würdest du die Prüfung sicher schaffen. Aber so ...
Nur der zweite Satz sagt, dass nach Meinung des Sprechers der Angesprochene sich nicht genug Mühe gibt, er enthält also ein Aber. Der erste Satz dagegen stellt einfach einen Zusammenhang zwischen einer Voraussetzung und der Konsequenz her, ohne dass er etwas über das Erfülltsein der Voraussetzung aussagt. Einschränkend muss bemerkt werden, dass ein auf die Zukunft bezogener K II nicht in allen Fällen ein "Irrealis" sein muss, also nicht zwangsläufig ein Aber impliziert. Nicht selten kann man hier sogar alternativ K II und Indikativ ohne großen Bedeutungsunterschied verwenden:
Wenn ich die Stelle kriegen würde, hätte ich keine Geldprobleme mehr.
Wenn ich die Stelle kriege, werde ich keine Geldprobleme mehr haben.
Der erste Satz betont mehr die Ungewissheit des Eintretens dieses Ereignisses, er eignet sich besser für eine fantasierende bis verträumte Zukunftsschau. Der zweite zielt dagegen nüchterner auf das Konstatieren eines Zusammenhangs zwischen Bedingung und Folge ab.

K II + gerne für Wünsche

Auch sehr wichtig - und von Lernern viel zu wenig benutzt - ist die Konstruktion K II + gerne für Wünsche:
Ich würde gerne einmal nach China fahren.
Was würdest du heute Abend gerne essen?
Wo wärst du jetzt am liebsten?
(Beim Bäcker:) Ich hätte gerne drei Brötchen.
Beim letzten Satz handelt es sich um die Standardbestellung im Geschäft - was Lerner merkwürdigerweise oft lange nicht zur Kenntnis nehmen. Man darf übrigens auf keinen Fall das Adverb gerne vergessen. Tut man es, ist das Resultat kein Wunsch mehr, sondern ein unvollständiger Hauptsatz, der auf seinen Konditionalsatz wartet:
Ich würde einmal nach China fahren ... - Wenn ...?
In dieser Funktion ist die Verwendung des einfachen K II kaum möglich, außer bei sein, haben und wissen:
Ich wäre jetzt gerne in Italien.
Ich hätte gerne eine größere Wohnung.
Ich wüsste gerne, warum Eva nichts mehr von sich hören lässt.
Ich würde gerne mal einen Roman von Kafka lesen.
Dagegen nicht gut:Ich läse gerne mal einen Roman von Kafka.

Wunschsätze

Nicht zu verwechseln mit den eben besprochenen Wendungen mit gerne sind die Wunschsätze vom folgenden Typ:
Wenn nur der Regen endlich aufhören würde!
Wenn ich nur diesen Menschen nie kennengelernt hätte!
Wenn du nur nicht so gierig wärst!
Hätte ich nur diesen Menschen nie kennengelernt!
Wären wir bloß früher losgefahren, dann stünden wir jetzt nicht im Stau.
Wie bei den gerne-Sätzen kann auch hier der eigentliche Hauptsatz "fehlen". Um anzuzeigen, dass es sich um eine abgeschlossene Aussage handelt, muss man aber auch hier eine Partikel, in diesem Fall nur oder bloß, verwenden - sonst wird der Hörer eine Fortsetzung erwarten. Zur Verbposition in den beiden letzten Sätzen vgl. unten Verb auf Position 1

Höflichkeit, Vorschläge ...

Eingangs war schon gesagt worden, dass der K II besonders höfliche Formulierungen erlaubt. Noch einige Beispiele:
Könnten Sie mir einen Gefallen tun?
Dürfte ich Sie um einen Gefallen bitten?
Würden Sie mir bitte das Salz reichen?
Auch für Vorschläge ist der K II nützlich:
Wir könnten uns am Dienstag treffen, passt dir das?
Oft gebraucht man zu diesem Zweck konjunktivische Formulierung wie die folgenden:
Wie wäre es mit einem Bier? = Hättest du gerne eins, sollen wir eins trinken?
Wie wäre es, wenn wir uns am Dienstag treffen/treffen würden? = Wie findest du die Idee?

so tun als ob

Ein weiterer recht spezieller, aber nützlicher Anwendungsfall für den K II ist der Ausdruck so tun als ob + K II in einigen Varianten:
Er tut so, als ob er dich nicht hören würde.
Er tut so, als ob er dich nicht gehört hätte.
Sie tut, als wenn sie von nichts wüsste.
Sie tut, als hätte sie nichts davon gewusst.
Solche Konstruktionen sind wohl am häufigsten mit dem Verb tun (in anderen Sprachen wird ihr Sinn durch Verben wiedergegeben wie pretend im Englischen), aber man kann beliebige andere Verben verwenden, die sich inhaltlich dafür hergeben:
Er hat sie angestarrt, als hätte er noch nie eine Frau gesehen.
Sie rannte, als ginge es um ihr Leben.
Zur Verbposition vgl. unten Verb auf Position 1

Besonderheiten

Verb auf Position 1 im Konditionalsatz

Eine Besonderheit hinsichtlich der Verbposition haben Sie vielleicht in einigen Beispielsätzen aus früheren Abschnitten schon bemerkt. In bestimmten Fällen ist Konjunktiv II in Sätzen mit Verb-Erststellung möglich:
Hättest du mir gleich von deinen Sorgen erzählt, hätte ich dir vielleicht helfen können.
Wärst du nicht so unfreundlich gewesen, hätte er uns vielleicht noch reingelassen.
Würdest du nicht so viel rauchen, würdest du nicht so husten.
Durch das Herausnehmen und Versetzen des Finitums an den Anfang wird der hintere Teil des Nebensatzes etwas entzerrt und entlastet. Zumindest mit den Hilfsverben an der Spitze sind solche Sätze auch im gesprochenen Deutsch nicht unüblich. Auch bei den Wunschsätzen gab es diese Möglichkeit:
Wenn er das nur nicht weitererzählt hätte!
Hätte er das nur nicht weitererzählt.
Und schließlich war auch in den als-ob-Sätzen eine Stellungsauffälligkeit zu bemerken:
Sie tut, als ob sie nichts davon gewusst hätte. (normal)
oder:
Sie tut, als hätte sie nichts davon gewusst.
Das finite Verb steht hier zwar nicht auf der - von der Konjunktion beanspruchten - Position 1, aber es folgt dieser unmittelbar.

Kein "Konditional"

Für u.a. romanische Muttersprachler sollte man noch betonen, dass im Hauptsatz und im Neben-/Konditionalsatz dieselben Formen gebraucht werden. Man braucht also nicht aufzupassen wie deutsche Italienischlerner, die so mühsam einen italienischen Konjunktiv und einen "Konditional" auseinanderhalten.

K II für K I

Der Konjunktiv I ist oft nicht zu unterscheiden vom Indikativ. In solchen Fällen kann der K II einspringen:
Die Urlauber berichteten, sie hätten (statt K I: haben) stundenlang warten müssen.
In der Umgangssprache verwendet man diesen K-I-Ersatz oft auch dann, wenn die Form des K I sich vom Indikativ unterscheidet:
Eva hat erzählt, sie hätte (statt habe) stundenlang warten müssen.
Die Urlauber haben berichtet, sie wären (statt seien) sehr unfreundlich behandelt worden.
Da sich hier die K-I-Formen von denen des Indikativs unterscheiden, gibt es eigentlich keinen "guten Grund", auf den K II auszuweichen. Deshalb gilt dieser Gebrauch als nicht ganz sauber. Aber der Konjunktiv I klingt eben so förmlich, dass man ihn in der Umgangssprache äußerst ungerne verwendet. Gegen die Verwendung des K II im Alltagsdeutsch in dieser Funktion ist deshalb nichts einzuwenden. Nur beim Schreiben hält man sich besser an die Regel: K II für indirekte Rede nur, wenn der K I nicht vom Indikativ zu unterscheiden ist.

Ersatzinfinitiv

Die Partizipien von Modalverben erscheinen in der Vergangenheit in der Form des Infinitivs, wenn sie selbst einen Infinitiv regieren:
Das hätte ich nicht gekonnt. - kein Infinitiv zu können
Das hätte ich nicht machen können! - machen Infinitiv zu können
So etwas hättest du nicht tun sollen. tun Infinitiv zu sollen
Wenn du das hättest wissen wollen, hättest du mich eben fragen müssen.
Vergleichen Sie dazu auch das Stichwort Perfekt, wo ja die gleichen Regeln für Verwendung der Modalverben gelten. Sehen Sie außerdem den folgenden Abschnitt zur Verbposition.

Modalverben: Präteritum und Konjunktiv II

Noch einmal das Thema Modalverben, jetzt geht es aber darum, die Ursache eines sehr häufigen Fehlers zu erkennen. Machen Sie sich das Problem klar. Bei einem schwachen Verb braucht man für das Präteritum nur an den Präsensstamm ein -t- + Personalendung anzuhängen:
küssen - ich küss-t-e
Analog möchten viele Lerner das Präteritum von z.B. müssen bilden:
müssen - ich müss-t-e
Aber was dabei herauskommt, ist natürlich kein Präteritum, sondern Konjunktiv II. Der Umlaut ist sozusagen nicht derselbe wie der im Präsens, sondern der, den wir von den starken Verben her kennen, wo er eben den Konjunktiv anzeigt:
fahren - Prät. fuhr ⇒ Konj. führe
müssen - Prät. musste ⇒ Konj. müsste
Achten Sie also besonders darauf, die Formen von Prateritum und K II der Modalverben nicht zu verwechseln.



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