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Adjektivdeklination
Inhalt
Attributive Adjektive
starke D.
schwache D.
gemischte D.
Das Prinzip
Besonderheiten
Anmerkung

Attributive Verwendung von Adjektiven

Im Artikel „Adjektiv“ haben wir drei Verwendungsweisen von Adjektiven unterschieden:
attributiv: laute Musik
prädikativ: Die Musik ist laut
adverbial: Sie spricht laut
Wenn Adjektive prädikativ oder adverbial verwendet werden, werden sie nicht verändert, sie behalten also die Form, in der sie im Wörterbuch angegeben sind. Nur wenn sie attributiv gebraucht werden, also vor einem Substantiv stehen, erhalten sie Flexionsendungen, wie z.B. in laute Musik.
Im Folgenden brauchen wir uns also nur für diese attributiv verwendeten Adjektive zu interessieren. Die Wahl der richtigen Adjektivform hängt einerseits von Genus, Numerus und Kasus des folgenden Substantivs ab, ähnlich wie bei Artikelwörtern. Zum Beispiel erhält das Adjektiv vor einem Femininum im Nom. genauso die Endung -e wie auch das Artikelwort dies-:
laut-e Musik - dies-e Musik
Leider kommt es bei der Wahl der Deklinationsendung auch auf das Vorgängerwort zum Adjektiv an. Geht ihm z.B. ein bestimmter Artikel voraus, sind die Endungen manchmal andere als nach unbestimmtem Artikel.
Gewöhnlich unterscheidet man sogar drei Deklinationsmuster, die oft als starke, schwache und gemischte Deklination bezeichnet werden. Wir sehen uns zuerst die starke Deklination an, die die meisten Gemeinsamkeiten mit der Deklination von Artikelwörtern hat.

Starke Deklination

Adjektive folgen diesem Flexionstyp, wenn ihnen kein Artikelwort vorangeht:
Ich trinke nicht gerne warmes Bier.
mit bestem Dank

MaskNeutFemPlural
Nomschön -erschön -es schön -e schön -e
Akkschön -enschön -esschön -eschön -e
Datschön -emschön -emschön -er schön -en
Genschön -enschön -enschön -erschön -er

Mit Ausnahme von Gen. Sg. Mask. und Neut. stimmen die Endungen mit denen der Artikelwörter überein. - Stark flektieren die Adjektive auch nach dessen, deren und wessen und außerdem nach den endungslosen Varianten der Artikelwörter manch, solch, welch:
der Autor, dessen neue-s Buch sich gut verkauft
mit solch große-m Mut

Schwache Deklination

So werden Adjektive dekliniert, wenn der bestimmte Artikel oder Pronomen vorausgehen.
das grüne Kleid - dieses blaue Hemd - mit welchem roten Schal

Die schwache Deklination kommt mit zwei Endungen aus: -e und -en:
MaskNeutFemPlural
Nom schön -e schön -e schön -e schön -en
Akk schön -en schön -eschön -e schön -en
Dat schön -en schön -en schön -en schön -en
Gen schön -en schön -enschön -enschön -en


Nur der Nom. Sg. und der Akk. Sg. Fem. und Neut. haben -e, der Rest -en.

Gemischte Deklination

Der gemischten Deklination folgen Adjektive, wenn der unbestimmte Artikel ein oder kein oder mein, dein, sein vorausgehen. Die Formen stimmen bis auf Nom. Mask./Neut. Sg. und Akk. Neut. Sg. mit denen der schwachen Deklination überein.
Mask Neut Fem Plural
Nom schön -er schön -es schön -e schön -e
Akk schön -en schön -es schön -e schön -e
Dat schön -en schön -en schön -en schön -en
Gen schön -en schön -en schön -en schön -en

Das Prinzip der Adjektivdeklination

Die Adjektivendungen sind natürlich nicht willkürlich über die drei Tabellen oben verstreut. Das wichtigste Prinzip dahinter lässt sich leicht erkennen. Das Adjektiv bekommt dann eine „starke Endung“, wenn entweder das Artikelwort keine Endung hat oder wenn gar kein Artikelwort vorausgeht. In diesen Fällen muss das Adjektiv die nötigen Informationen über Genus, Numerus und Kasus liefern, die wir sonst vom Artikelwort beziehen. Vergleichen Sie:
a) das große Vergnügen
b) ein großes Vergnügen
c) mit großem Vergnügen
In a) hat der bestimmte Artikel die Endung, die die grammatischen Informationen trägt. In b) ist der unbestimmte Artikel endungslos - die Funktion der Kasus- und Numerusmarkierung geht auf das Adjektiv über. Ebenso in c), diesmal, weil gar kein Artikel vorausgeht, der Fall und Zahl bezeichnen könnte.

Besonderheiten

Wenn zwei Adjektive aufeinanderfolgen, haben sie gewöhnlich die gleichen Endungen.
ein intelligentes kleines Kind - mit dem guten alten Freund - im Haus guter alter Freunde
Es sind aber einige Sonderfälle zu beachten, die in der Übersicht „Adjektivdeklination“ nicht berücksichtigt sind. Hier werden nur einige exemplarische Fälle aufgeführt, damit Lernende gegebenenfalls nicht ganz unvorbereitet mit dem Phänomen konfrontiert werden:
beide alten (früher auch: alte) Leute
folgender kurze(r) Bericht
sämtliche neuen (neue) Bücher
mit vielem interessanten/(-em) Bonusmaterial, (neben häufiger: mit viel interessantem)
mit wenigem brauchbaren/(-em) Inhalt (neben häufiger: wenig brauchbarem)
Schließlich kommt es auch bei vorausgehenden Artikelwörtern einig-, manch-, solch- und welch- zu Schwankungen in der Adjektivdeklination:
mit einigem neuem/neuen
manche bösen/(böse) Überraschungen
die Ursache solcher hässlichen/hässlicher Gerüchte
mit welchem großen/großem Engagement
Vergleichen Sie dazu auch das Stichwort so und solch-

Anmerkung

Man sollte vielleicht noch ausdrücklich davon abraten - wenn es nicht schon der gesunde Lerninstinkt den Lesern sagt -, sich mit Details wie den zuletzt behandelten schon in Grund- oder auch Mittelstufe zu befassen. Manchmal lässt bei diesen Feinheiten auch Muttersprachler das „Sprachgefühl“ im Stich. Überhaupt sind die Adjektivendungen für das Sprechen bei Weitem nicht so wichtig wie z.B. die richtigen Personalendungen der Verben. Fehler bei den Adjektiven sind doch eher kleine Schönheitsfehler. Wer wirklich gut Deutsch sprechen will, sollte natürlich irgendwann auch die Adjektive richtig verwenden, aber man sollte sich damit Zeit lassen und auch einem sich langsam entwickelnden „Sprachgefühl“ eine Chance geben.
Allerdings gibt es auch einen bestimmten Typus von Deutschlernenden, bei dem gerade und nur die Adjektivdeklination von der Entwicklung dieses Sprachgefühls ausgenommen scheint. Das sind z.B. anglophone oder skandinavische Lerner, die oft in ziemlich kurzer Zeit ein sehr gutes Niveau erreichen, die aber beim Adjektiv nicht aus dem für Anfänger typischen Stadium völliger Konfusion herausfinden. Oder herausfinden wollen - bei manchen dieser Lerner habe ich nämlich den Verdacht, dass sie unsere schönen und nützlichen Adjektivendungen einfach für überflüssig halten und deshalb boykottieren. Dabei dürfte es ihnen nicht schwerfallen, die Verwirrung zu überwinden - wenn sie nur noch einmal ein wenig Zeit in die Aneignung der Regularitäten investieren und bei der Sprachproduktion auf die Adjektivdeklination fokussieren wollten.
Lesen Sie zum Schluss noch einen Kommentar von Marc Twain zu unserem Thema: Adjektivdeklination.