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her sein
Inhalt
das ist lange her
es ist lange her, dass
Zeitangaben mit dem Adverb her sind sehr nützlich und werden oft verwendet. Deutschlernern müssen sie aber recht befremdlich erscheinen - sie verwenden sie nie. Einige Beispiele:
Erinnerst du dich an das Stones-Konzert in Stuttgart? Wie lange ist das her?
Mindestens 30 Jahre! (= Das ist mindestens 30 Jahre her.)
Wie lange ist es her, dass du zuletzt in deiner Heimat warst? - Das ist schon sehr, sehr lange her.
Es muss Jahre her sein, dass wir zuletzt so gut gegessen haben. - Ach wo, das ist erst drei Monate her: auf Evas Hochzeit.
Die Beispiele zeigen einmal eine einfache und dann eine ziemlich komplizierte Verwendung des Wörtchens her beim Kopulaverb sein. Die einfache: das ist ZEIT (Akk.) her:
Das ist einen Monat her.
Der Akkusativ für die Zeitangabe ist nichts Ungewöhnliches, wir begegnen ihm auch sonst in Adverbialbestimmungen:
Ich habe einen Monat (lang) nicht geraucht.
Warte noch einen Moment!
Man verwendet diese Konstruktion am besten mit dem Demonstrativum das, also nicht mit Substantiven - das klingt nicht so gut. Jedenfalls gibt es elegantere Alternativen für diesen Fall. Zum Beispiel besser nicht:
Wie lange ist das Konzert her?
Sondern eleganter:
Wie lange liegt das Konzert (schon) zurück?
Oder ganz simpel eben:
Wann war das Konzert?
Aber in der wann-Frage geht gerade das verloren, was die Frage mit her auszeichnet - darauf kommen wir gleich zu sprechen. Zunächst zur komplizierten Variante:
Es ist ZEIT (Akk.) her, dass ...
Das Wörtchen es ist hier ein "Korrelat", das auf den kommenden Subjektsatz (den dass-Satz) vorausweist. Wenn das fragliche Ereignis einmalig ist, braucht man keine weiteren Adverbien, sonst bietet sich oft zuletzt an:
Wie lange ist es her, dass du in München gelebt hast?
Wie lange ist es her, dass du zuletzt beim Friseur warst?
Anhand des zweiten Satzes fragen wir jetzt, wo der Nutzen oder die Besonderheit dieser komplizierten Konstruktion gegenüber der einfachen wann-Frage liegt. Betrachten wir zwei Alternativen:
Vor wie langer Zeit warst du zuletzt beim Friseur?
Wann warst du zuletzt beim Friseur?
Die erste Frage wirkt sehr schwerfällig und hier auch unangemessen, weil Friseurbesuchsintervalle mit der langen Zeit kontrastieren. Die wann-Frage dagegen ist vollkommen in Ordnung. Aber das Fragewort wann lässt als Antwort entweder die Angabe eines Zeitpunkts (im Januar) oder die Benennung der vergangenen Zeitspanne (vor drei Wochen) zu. Zielt man daher auf eine Antwort ab, in der die verflossene Zeit angegeben wird, bietet sich die Formulierung mit her an, auf die folgende Antwort passgenau und natürlich ist:
(Das ist) erst vier Wochen (her)!
Genau das wird auch die fragende Person im Beispiel bezweckt haben. Zumindest wenn die Frage als "Wink mit dem Zaunpfahl" gemeint war, wenn also dem Gesprächspartner klargemacht werden sollte, dass die Haare schon etwas aus der Fasson geraten sind, verweist man effektvoller auf den vergangenen Zeitraum als auf den Zeitpunkt des Friseurbesuchs. Aber das ist natürlich nur ein stilistischer Effekt, der hier nur zur Verdeutlichung der besonderen semantischen Leistung des Ausdrucks angeführt wird.
Wie man sieht, haben die her-Konstruktionen einen sehr eingeschränkten Anwendungsbereich. Trotzdem halte ich sie für sehr nützlich und früh lernenswert. Im Unterricht ergibt sich oft Gelegenheit, sie als bessere Formulierungsalternative vorzuschlagen.
Das Adverb her hat noch eine ganze Reihe anderer Verwendungen, auch noch andere temporale, von denen wir einige noch behandeln müssen.