sex

aufklären | befriedigen | begehren | Beischlaf | belästigen | beschlafen | betrügen | bumsen | ficken | flirten | fortpflanzen | fremdgehen | Geschlechtsverkehr | knutschen | koitieren | Kuss | küssen | lieben | machen | missbrauchen | poppen | schlafen | schmusen | schwanger | schwängern | Sex | Spaß | treiben | verführen | vergewaltigen | verhüten | vermehren | vögeln | zeugen |

ERGÄNZEND
In DaF-Klassen herrscht zwar oft eine leicht erotisierte Atmosphäre, Sex wird aber selten direkt thematisiert. Ob die „wichtigen Wörter“ bekannt sind oder nicht, ist daher schwer zu beurteilen, ebenso, ob die Stilwerte - von fachsprachlich bis vulgär - richtig eingeschätzt werden. Machen wir hier einen Klärungsversuch in der Hoffnung, aus keiner Suchmaschine rauszufliegen und nicht zu viel (moralisch) fehlgeleiteten Besuch zu kriegen.

Das Verb vögeln hatte einen mittelhochdeutschen Vorläufer, der den Begattungsakt (s.u.) eben der Vögel bezeichnete. Heute wendet man es auch oder sogar ausschließlich auf das erotische Treiben unserer Spezies an. Das Wort klingt eigentlich recht harmlos, trotzdem ordnet es ein älterer Duden als vulgär, der neueste Duden und der neuere Wahrig als derb ein - eine etwas prüde Stilmarkierung.

Seine relative Harmlosigkeit verdankt es wohl Assoziationen mit zärtlich schnäbelnden Täubchen und dem Umstand, dass es keinen direkten Bezug auf den körperlichen Vorgang nimmt. Die meisten Sex-Verben bezeichnen ja ursprünglich physische Aktivitäten - hineinstecken, reiben, ausfüllen ... - die das Geschehen aus der Froschperspektive, von unten her, präsentieren - das nette Verb vögeln sieht alles milder und von ferne - eben aus der Vögelperspektive.

Das Verb poppen ist dagegen laut neuem Duden bloß umgangssprachlich; im älteren Duden und im neuen Wahrig kommt es gar nicht vor. Vielleicht gehört es in den Norden Deutschlands, ich kannte es bis vor Kurzem auch nicht.

Auch bumsen ist laut neuerem Duden bloß ugs, laut älterem salopp, der Wahrig findet es dagegen derb.

Das eigentliche Hauptverb zum Thema, ficken, wird dagegen zweimal als derb, einmal als vulgär eingestuft, und so klingt es in meinen Ohren, als einziges, auch wirklich; das Wort geht vielen nicht leicht über die Lippen (= sie sprechen es nicht gerne aus), es ist eben ein „schmutziges“ Wort - und deshalb natürlich im Pornokontext mit Abstand das beliebteste.

Die Verben vögeln, ficken und bumsen kann man alle sowohl ohne als auch mit Akkusativergänzung verwenden:
Sie vögelt gerne.

Wir vögeln.

Ich vögle dich.


Zu poppen habe ich keine Auskunft in Büchern gefunden, und fragen wollte ich nicht. In jedem Fall kann man natürlich Wir poppen sagen. Interessant ist die Frage, ob die Subjektrolle jeweils mit Angehörigen beider Geschlechter besetzt werden kann, also auch Sie vögelt ihn usw.

In einem Roman der sehr jungen Berliner Autorin Rebecca Martin ("Frühling und so") fragt einer der männlichen Bettpartner die Heldin:
Willst du mich noch mal ficken?

Und die Erzählerin bereut später, dass sie ihrer Schwester den Typen ausgespannt hat:
Kaum ist Toschi weg, fick ich schon ihren Typen.

So weit einige der Problemwörter - problematisch in dem Sinn, dass man sie eben nicht in jeder Gesellschaft verwenden kann. Andererseits möchte heute niemand mehr als prüde gelten - nicht immer einfach, den Mittelweg zu finden.

Eigentlich immer möglich ist das Wort Sex, das selbst in keiner Weise anstößig ist. Anstatt beispielsweise beim Vögeln kann man also beim Sex sagen und ist dabei weder derb oder vulgär noch puritanisch. Möglich ist auch Sex haben, aber es klingt ein bisschen nach „Erziehungsberechtigtem“ - wenn ich Ihnen jetzt nicht erklären muss, was das bedeutet ...

Ärzte sprechen gerne vom GV = Geschlechtsverkehr = Sex. Man kann Geschlechtsverkehr haben. Wie viel Spaß das macht, können Sie mal ausprobieren. Die lateinischen „Fachausdrücke“ sind Koitus [Ko-i-tus] und koitieren [ko-i-tie-ren] (nicht mit Objekt). Auf Deutsch gibt es auch noch den Geschlechtsakt.

Schließlich kann man auch auf Deutsch, wie in sicher vielen anderen Sprachen, Liebe machen - was allerdings ein bisschen infantil klingt (in meinen Ohren). Vielleicht ist es aus dem Englischen übernommen und nicht richtig im Deutschen angekommen, vielleicht war es als frommer Ersatz für die schmutzigen Wörter gedacht ... *Mach Liebe zu mir, Baby geht aber im Deutschen noch nicht.

Ebenfalls etwas euphemistisch ist lieben.
Sie liebten sich die ganze Nacht/auf dem Rücksitz.

Das geht aber wohl nur in reziproker Verwendung, also
Er liebte sie die ganze Nacht

ist zwar interpretierbar, aber etwas befremdlich, umgekehrt noch mehr:
Sie liebte ihn die ganze Nacht.

Etwas aufpassen muss man bei schlafen, weil hier allein die Präposition den Unterschied macht:
Sie schlief mit ihm.
Sie schliefen dreimal miteinander in dieser Nacht.
Sie haben ein paar Mal miteinander geschlafen, aber es wurde nichts Ernstes draus.

Demgegenüber:
Die Kinder schlafen bei den Eltern.

Etwas verwirrend wird die Lage, weil
Er schläft mit seiner Schwester

mehr aufs Inzestuöse hindeutet,
Er schläft mit seiner Schwester in einem/im gleichen Bett

dagegen gar nicht. Was
Er schläft auf dem Rücksitz mit seiner Schwester

bedeutet, bleibt der Situation zu entnehmen - vielleicht etwas anderes als
Er schläft mit seiner Schwester auf dem Rücksitz.

Schließlich gibt es das Substantiv der Beischlaf, das obiger Verteilung der Präpositionen entgegen natürlich den Sex bezeichnet. Man kann also den Beischlaf vollziehen, verweigern, begehren ...
Schließlich gehört zur schlafen -Familie noch das Verb beschlafen. Einer der Gilgamesch-Helden z.B. beschlief sechs Tage und sieben Nächte lang eine göttergleiche Urfrau - in andere als solche mythologisch-poetischen Kontexte passt das Verb schlecht, weil es nicht ganz upgedatet wirkt.

Wenn Sie schon mal in einem Industriebetrieb oder auf einer Baustelle gearbeitet haben, wissen Sie, dass neben obigen jedes beliebige Wort sexuell (miss-)interpretiert werden kann. Eine konventionalisierte Form davon ist die alberne Erweiterung der Abschiedsfloskel mach's gut:
Mach's gut - aber nicht so oft.

Vielleicht gehört auch das Verb treiben hierher, vielleicht hat es auch etymologische Ursprünge im sexuellen Bereich (es gibt ja auch den Trieb):
Die treibt's mit jedem.
Die treiben's Tag und Nacht.
Früher hat man's noch öfter im Auto getrieben.

Ein etwas originelleres Beispiel ist auf einem Plakat der Aidsaufklärung zu finden. Groß abgebildet der sexuelle Schauplatz vor dem offenen Kamin, dazu zwei Slogans:
Mach's mit!

Das heißt natürlich mit Kondom; und:
Zusammen kommen

Normalerweise schreibt man das zusammen - es bedeutet dann „sich treffen“ -, aber hier bedeutet es eben (noch) etwas anderes, nämlich:
„gemeinsam den Höhepunkt erreichen“;
„gemeinsam zum Orgasmus kommen“.

Tiere paaren sich oder begatten sich (d.h. das Männchen begattet das Weibchen - der Gatte ist ja auch der männliche Part des Menschen-Ehepaares) oder „rammeln wie die Kaninchen“ oder bespringen (als Stier) die Kuh und dergleichen mehr. Nur das Vögeln ist, wie gesagt, heute paradoxerweise den Menschen vorbehalten.

Die ursprünglichen Zwecke all dieser Aktivitäten - bzw. dieser einen Aktivität mit den vielen Namen - waren bekanntlich Spaß (s. Wortfeld) und Fortpflanzung.

Das Verb dazu heißt sich fortpflanzen:
Diese Tiere pflanzen sich nur in Freiheit fort, nicht im Zoo.

Übrigens gibt es noch ein anderes Verbot - das aber auch andere Religionen kennen - nämlich das des Ehebruchs, für das es ein nettes Verb mit Buchstaben f gibt, nämlich fremdgehen:
Wenn sie nicht so oft fremdgegangen wäre, hätte er sich sicher nicht scheiden lassen.

Das Standardverb für diese Art von verbotenen Aktivitäten ist aber betrügen (s. dort).

Die ganz hässlichen Seiten der sonst so schönen Sache werden z.B. so benannt:
(sexuell) missbrauchen

Er sitzt im Gefängnis, weil er ein Kind (sexuell) missbraucht hat.

vergewaltigen (to rape)

Er muss sechs Jahre ins Gefängnis, weil er eine junge Frau vergewaltigt hat.

Einzuarbeiten wären, wenn einmal mehr Zeit ist, noch:
pimpern, stopfen (Bairisch? - Subjekt weiblich möglich?), vernaschen (Softporno)

erkennen (Bibel - falsch übersetzt.)

"im Vordergrund wird gevögelt" (Deutschlandfunk, Kultur heute, Theaterrezension, 20.07.2010, von Reporterin gebraucht). Die braveren Verben kommen hier ohne stilistische Einbuße oder Verlust an Knappheit nicht in Frage, weil sie eben stilistisch danebenliegen - zu infantil, medizinisch ... wirken - oder schwieriger passivierbar sind: ... wird Liebe gemacht? - ... wird koitiert? - ... wird miteinander geschlafen? - ... wird sich geliebt? ... Nein, es geht doch nichts übers „vögeln“.

schmusen - In Kontaktanzeigen werden oft Partner für dies und das und zum Schmusen gesucht. Dabei ist schmusen von Haus aus aber kein sexuelle Aktivitäten bezeichnendes Verb, es kann auch für eine erotisch unaufgeladene Körperlichkeit, also Berühren, Streicheln, Spüren ... stehen.

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