Polykrates(schwer)
Er stand auf seines Daches Zinnen,
er schaute mit vergnügten Sinnen
Auf das beherrschte Samos hin.
„Dies alles ist mir untertänig,“
Begann er zu Aegyptens König,
„Gestehe, daß ich glücklich bin.
Schiller
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Kommentar
Vollständig heißt diese Ballade - eine der bekanntesten von Schiller - »Der Ring des Polykrates«. Ob ein Gedicht ein Happy End haben wird, wenn sich der Protagonist in der ersten Strophe selbst für glücklich erklärt?

Eine häufig wiederkehrende Besonderheit im (älteren) Gedicht ist der vorangestellte Genitiv, der ja im heutigen Deutsch - außer bei Eigennamen und wenigen anderen Wörtern - nicht gebräuchlich ist. Die erste Zeile müsste also modernisiert lauten: Er stand ...???

Auch das Adjektiv untertänig wäre vielleicht in dieser Konstruktion nicht mehr ganz up to date. Und schließlich fragt sich der Leser des 21. Jahrhunderts, ob nicht eines der Verben besser durch ein anderes zu ersetzen wäre - welches Verb, durch welches andere?
Loesung
... auf den Zinnen seines Daches ...

... gib zu, dass ich glücklich bin ...
Natürlich stimmt hier das Versmaß nicht mehr ...
Hinweis
Friedrich Schiller, 1759 - 1805
Verben
beherrschen beginnen gestehen zugeben