Gefährlich
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Gefährlich ist's, den Leu zu wecken,
Verderblich ist des Tigers Zahn;
Jedoch der schrecklichste der Schrecken,
Das ist der Mensch in seinem Wahn.
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Schiller
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Kommentar
Der Leu wäre heute der Löwe (d.h. auch damals schon, aber nicht in der Poetensprache).

Das sehr berühmte „Lied von der Glocke“ ist im Jahr 1800 veröffentlicht worden.
Hinweis
Klassik und Revolution
Weder Schiller noch Goethe waren große Freunde der Französischen Revolution, und die zitierten Verse aus Schillers „Lied von der Glocke“ zielen auch oder nur auf den revolutionären Bürger jenseits des Rheins. Die folgenden Zeilen gehen den oben wiedergegebenen unmittelbar voraus:
„Freiheit und Gleichheit! hört man schallen;
Der ruh'ge Bürger greift zur Wehr,
Die Straßen füllen sich, die Hallen,
Und Würgerbanden ziehn umher.
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Nichts Heiliges ist mehr, es lösen
Sich alle Bande frommer Scheu;
Der Gute räumt den Platz dem Bösen,
Und alle Laster walten frei.“

Man könnte das für eine treffende Skizze der Verhältnisse in einer Diktatur - wie der nationalsozialistischen - halten: „Und alle Laster walten frei = die Laster sind entfesselt, sie agieren unbehindert.“ Aber der Bedeutung der Französischen Revolution sind beide deutschen Klassiker nie gerecht geworden, am wenigsten mit solcher „Gräuelpropaganda“.
„Das Lied von der Glocke“ ist dennoch ein heute noch sehr beeindruckendes Werk, mit dem Sie sich - wenn Sie sich gründlicher mit der deutschen oder europäischen Kultur vertraut machen wollen - irgendwann einmal befassen sollten.

(Übrigens waren nicht alle deutschen Geistesgrößen der Zeit so spießig mit Bezug auf die Französische Revolution. Einer der bedeutendsten Denker überhaupt, Immanuel Kant, hat sie bis an sein Lebensende glühend verteidigt.)
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wecken
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