Bacchusfest

(schwer)
Worum geht es in diesem kurzen Auszug aus einem langen Roman?
Nachdem die Kilikier mit ihrer gesamten Beute wieder zu Schiffe gegangen ... brachten sie den Rest der Nacht mit einem Schmause zu, bei welchem sie nicht vergaßen, sich wegen der mehr als stoischen Unempfindlichkeit, die sie bei Eroberung der thrakischen Schönen bewiesen hatten, schadlos zu halten. Unterdessen aber, dass das ganze Schiff beschäftiget war, das angefangne Bacchusfest zu vollenden, hatte sich Agathon unbemerkt in einen Winkel zurückgezogen, wo er vor Müdigkeit abermals einschlummerte.
Wieland
-------------------------

Kommentar

Es geht um eine Massenvergewaltigung, könnte man sagen. Die Opfer sind Frauen aus Thrakien (nördlich von Griechenland), die gemeinsam im Wald eine Art kultischer Orgie ohne Männer (das Bacchusfest) gefeiert haben; die Täter Seeräuber, die zufällig in der Nähe an Land gingen und die Frauen raubten, noch ohne sie sexuell zu missbrauchen. Wofür sie sich jetzt "schadlos halten", sich also selbst entschädigen - indem sie die unterlassenen Übergriffe nachholen.

Agathon, der Held des Romans, hatte sich auf der Flucht verirrt, geriet unter die wild feiernden Frauen - was nicht ungefährlich war - und wurde schließlich zusammen mit diesen von den Piraten gekidnappt. Natürlich sollte er später wie die Frauen als Sklave verkauft werden. Das alles passiert auf den ersten paar Seiten des Romans, der auch sehr spannend weitergeht.

Es ist allerdings kein wirklicher Abenteuerroman. Im Mittelpunkt steht die seelische Entwicklung des schönen jungen Mannes, der natürlich auch bald die Bekanntschaft einer schönen jungen Frau macht.
Aufklärung

Autor und Werk

Christoph Martin Wieland, 1733-1813.
"Die Geschichte des Agathon", ab 1766.

Links

Der erste Roman

Verben

zubringen vergessen beweisen beschäftigen vollenden zurückziehen
20180621