Laurette(schwer)
Laurette bleibstu ewig stein?
Soll forthin unverknüpfet seyn
Dein englisch-seyn und dein erbarmen?
Komm / komm / und öffne deinen schooß
Und laß uns beyde nackt und bloß
Umgeben seyn mit geist und armen.
Hofmannswaldau
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Kommentar
Die Literatur des deutschen Barock ist - mit einer Ausnahme - heute fast völlig vergessen. (Die Ausnahme ist der „Simplicissimus“ von Grimmelshausen.) Wer sich ein wenig eingelesen hat, kann aber durchaus Gefallen an den Werken der barocken Kunst-Handwerker finden. Hier eines aus dem erotischen Fach.
Hinweis
Hofmannswaldaus Laurette
Christian Hofmann von Hofmannswaldau, 1617 - 1679, hat in Breslau im heutigen Polen gelebt. Hier die ersten Zeilen von Strophe 1 noch mal, leicht modernisiert und in Prosa:

Laurette, bleibst du ewig (ungerührt von meinem Werben um dich, meinen Avancen ... als wärst du ein) Stein? Soll sich weiterhin dein engelsgleiches Wesen (deine Schönheit ...) nicht mit deinem Erbarmen (mit deiner mitleidigen Einwilligung in meine erotischen Pläne) verbinden? - Der Rest dürfte klar sein. Hier dann die beiden nächsten Strophen (auf die in diesem erst 1695 veröffentlichten Gedicht noch zwei weitere mit einer drolligen Pointe folgen).

Laß mich auff deiner schwanen-brust
Die offt-versagte liebes-lust
Hier zwischen furcht und scham geniessen.
Und laß mich tausend tausendmahl /
Nach deiner güldnen haare zahl /
Die geister-reichen lippen küssen.

Laß mich den ausbund deiner pracht /
Der sammt und rosen nichtig macht /
Mit meiner schlechten haut bedecken;
Und wenn du deine lenden rührst /
Und deinen schooß gen himmel führst /
Sich zucker-süsse lust erwecken.
Verben
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