Verweile doch

(schwer)
Jemand kann nicht glauben, dass er jemals einen vollkommenen Augenblick erleben wird, den Moment der Erfüllung, einen, der ewig dauern könnte ...
Werd ich zum Augenblicke sagen:
Verweile doch! du bist so schön!
Dann magst du mich in Fesseln schlagen,
Dann will ich gern zugrunde gehn!
Goethe
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Teufelspakt Faust-Mephisto, Julius Nisle
Faust verhandelt mit Mephisto
von Julius Nisle (died 1850) [Public domain], via Wikimedia Commons

Kommentar

„Werd ich ...“ muss man lesen als: „Wenn ich ... werde“. So spricht also der alte Professor Faust zu Mephistopheles, dem Teufel, der ihm gerade ein interessantes Angebot gemacht hat. Wenn er einen Moment vollkommenen Glücks erlebt, wenn er sich völlig mit dem zufriedengibt, was er hat, gehört seine Seele dem Teufel.

Der Ausdruck in Fesseln schlagen heißt einfach fesseln, also gefangen nehmen - und in diesem Fall natürlich: mit in die Hölle nehmen.
Goethezeit

Autor und Werk

Goethe hat fast sein ganzes Leben lang immer wieder an Versionen und Teilen des „Faust“ gearbeitet. Was man heute als „Faust I“ oder „Faust. Der Tragödie erster Teil“ kennt, wurde 1808 veröffentlicht.

Verben

sagen verweilen schlagen fesseln zugrunde gehen