Moneten ohne Käten

(schwer)
Sind wir jemals total glücklich? Ein deutscher Dichter beweist, dass das Glück nie vollkommen ist - oder nur selten.
Hast du Geld, dann hast du nicht Käten;
hast du die Frau, dann fehln dir Moneten -
hast du die Geisha, dann stört dich der Fächer:
bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.

Etwas ist immer.

Tröste dich

Jedes Glück hat einen kleinen Stich.
Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten.
Dass einer alles hat: das ist selten.
Tucholsky
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Abstrakt konst av Max Gustafson
By Maxgustafson (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Kommentar

Diese Schlusspassage eines längeren Gedichts ist nicht nur des Trostes wegen, den sie dem ewig Unbefriedigten spendet, so schön, sondern auch wegen der Reime.

„Käten" ist übrigens ein alter Akkusativ zu „Käte", die wiederum eine verkürzte „Katharina" ist. „Moneten" sind „Mäuse" oder „Kohlen", d.h. einfach Geld („money"!). Die Geisha stammt natürlich aus Japan, dürfte aber global bekannt sein, den störenden Fächer hält sie in der Hand und fächelt sich - oder dir - Luft zu. Warum er stört, habe ich nicht verstanden, wahrscheinlich hauptsächlich aus reimtechnischen Gründen.
20. Jhd.

Autor und Werk

Das Gedicht von Kurt Tucholsky, 1927 geschrieben, ist eigentlich „Das Ideal" betitelt.
TucholskyMatthiasLaeggesta
Tucholsky mit seiner Freundin Lisa Matthias in Schweden
Sonja Thomassen, TucholskyMatthiasLaeggesta, CC BY-SA 3.0

Verben

fehlen stören trösten möchten gelten